Frankreichs Wahlen lassen Anleger zögern

by Patrick Schumacher on 21.04.2017 in News Wirtschaft

Frankfurt Gespannt wartet Europa auf die Frankreichwahlen am Sonntag, doch der Dax ist eher entspannt – nur wenig verändert eröffnete er am Freitagmorgen und fiel zuletzt um 0,12 Prozent auf 12.012 Zähler. In der vergangenen Woche hatte der deutsche Leitindex erhebliche Mühe, die Marke von 12.000 Punkten zu verteidigen. „Vor der Wahl in Frankreich wollen die Anleger keine großen Risiken eingehen. Deshalb ist eine Fortsetzung der Konsolidierung rund um die 12.000-Punkte-Marke wahrscheinlich“, glaubt Milan Cutkovic, Marktanalyst von AxiTrader. Der Pariser Leitindex CAC 40 verlor zuletzt 0,75 Prozent – dabei war er am Donnerstag so stark gestiegen wie kein anderer großer europäischer Aktienindex. Auch der EuroStoxx50 verlor unter anderem wegen Verlusten in Paris ein halbes Prozent auf 3424 Zähler.

Zusätzliche Verunsicherung für die Aktienindizes könnte auch der möglicherweise islamistisch motivierte Anschlag auf den Champs-Elysees in Paris am Freitag bringen. „Es bleibt zu hoffen, dass dieses Ereignis nicht die Wahl am Sonntag beeinflusst“, sagte Analyst Michael Hewson vom Broker CMC Markets in London.

Der Gewinner des Dax war zuletzt Thyssenkrupp mit einem Anstieg von moderaten 0,79 Prozent, gefolgt von Fresenius Medical Care mit einem leichten Plus von 0,34 Prozent. Von hinten führt Beiersdorf mit einem starken Minus von 1,7 Prozent die Dax-Liste an, gefolgt von dem zweiten Verlierer des Tages: RWE, mit 1,34 Prozent im Minus.

Im Technologieindex TecDax zogen die Aktien von Software AG die Blicke auf sich. Sie gewannen zuletzt satte 7,28 Prozent, nachdem der SAP-Rivale mit Gewinn und Umsatz im vergangenen Quartal die Erwartungen von Analysten übertroffen hatte. Das operative Ergebnis fiel um fünf Prozent. Auch hier hatten Analysten ein schwächeres Ergebnis erwartet. Ein Händler lobte, dass das Unternehmen unerwartet robust profitabel sei.

Für die BVB-Aktien ging es um 2,2 Prozent aufwärts, nachdem sie am Vortag eher abwärts ging: Wegen des Ausscheidens des Fußball-Bundesligisten aus der Champions League waren die Aktien um mehr als 3 Prozent abgesackt. Für Aufsehen sorgte dabei die Nachricht, dass die Polizei einen Tatverdächtigen wegen des Sprengstoffanschlags auf den BVB-Mannschaftsbus festgenommen hat. Laut Mitteilung der Bundesanwaltschaft scheint der mutmaßliche Täter auf einen durch den Anschlag verursachten Kursverlust der BVB-Aktie gesetzt zu haben, um dadurch einen Millionengewinn einstreichen zu können.

Bei einem Überraschungssieg der rechtsextremen Marine Le Pen in Frankreich rechnen Analysten kommende Woche mit einem Börsenbeben. „Wenn es ihr dann allerdings nicht gelingt, eine Mehrheit für den Austritt Frankreichs aus EU und Euro zu bewegen, dürfte auch die europäische Kapitalmarktentwicklung schnell wieder von anderen Themen dominiert werden“, kommentieren die Strategen von Sal. Oppenheim.

Glaubt man den jüngsten Umfragen, liefern sich die vier Kandidaten, Emmanuel Macron, Marine Le Pen, Francois Fillon und Jean-Luc Melenchon ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Sie liegen nur wenige Prozentpunkte voneinander entfernt, wobei der parteiunabhängige Kandidat und Börsenliebling Macron die besten Chancen hat, zusammen mit der rechtsextremen Le Pen in die Stichwahl am 7. Mai zu gehen.

 

„Wer also vor dem Wochenende seinen Hut in den Ring wirft, in dem er Aktien kauft, muss hoffen, dass die Franzosen ihr Kreuz an der richtigen Stelle machen“, sagte Jochen Stanzl, Stratege beim Broker CMC Markets.

Für die Börsen wäre es nicht gerade günstig, wenn sich in der ersten Wahlrunde Le Pen und ihr linksaußengerichteter Rivale Melenchon durchsetzen. „Die Wähler in Frankreich hätten dann nur noch die Wahl zwischen zwei Übeln“, sagte LBBW-Volkswirt Uwe Burkert. Beide Kandidaten steuern gegen den EU-Kurs. Le Pen hat mehrfach betont, sie wolle Frankreich aus der Euro-Zone herauslösen. Die Märkte würden ein solches Ergebnis am Sonntag mit Verkäufen von französische Staatsanleihen, dem Euro und Risikopapieren aller Art quittieren, sagte Burkert.

Am Freitag hatten die Optimisten an den Anleihemärkten Oberwasser. Sie griffen bei französischen Papieren zu, die Rendite der zehnjährigen Titel fiel im Gegenzug auf den tiefsten Stand seit drei Monaten. Die Risikoaufschläge zu den Bundesanleihen engten sich ein. Der Euro notierte mit 1,0706 Dollar kaum verändert.

Quelle:

http://www.handelsblatt.com